Blog aus "Down under"
Auf dem Weg zum Finale
KATH.NET-Generation-Benedikt-Blog aus Sydney - Freitag und Weg zur Gebestvigil
Sydney (kath.net/nl)
Nicht nur auf Weltjugendtagen, aber besonders dort ist Freitag Kreuzwegstag. So auch beim XXIII. Weltjugendtag hier in Sydney. In einem aufwendig inszenierten Kreuzweg haben wir gestern gemeinsam mit Papst Benedikt XVI. des Leidens Jesu Christi gedacht.
Der Heilige Vater machte mit einer eigenen Betrachtung bei der ersten Station an der St. Mary´s-Kathedrale den Anfang und verfolgte den weiteren Kreuzweg vor dem Fernseher in der Krypta der Kathedrale. Uns führten die verschiedenen Stationen des Kreuzwegs führten durch weite Teile des wunderschönen Hafenviertels von Sydney. Von der Kathedrale ging es über die Kunstgalerie, das Domain-Viertel, das weltbekannte Opernhaus und Darling Harbour nach Barangoroo, einem ehemaligen Industriegelände unweit des Hafens, das für den Weltjugendtag als zentraler Veranstaltungsort eingerichtet worden ist und wo wir nun zum dritten Mal nach der Eröffnungsmesse am Dienstag und der Willkommensfeier am Donnerstag unseren Platz eingenommen haben.
An jeder Station des Kreuzwegs wurden Betrachtungen vorgetragen um die Bedeutung des Geschehenen für den Heilsplan Gottes mit den Menschen zu erläutern. Nach der Ausgelassenheit und scheinbarer nie endender Feier- bis Partystimmung auf den abendlichen Konzerten nach den Hauptprogrammpunkten des Weltjugendtags herrschten beim Kreuzweg heute Stille und Andacht vor. Es lässt einen nicht unberührt, wenn Tausende Jugendliche die Passion Jesu nicht als Hintergrundstory für einen Film, als schöne Geschichte oder interessantes Spektakel betrachten, sondern ihm eine existentielle Bedeutung für das eigene Leben zumessen. Jennifer, eine junge Pilgerin aus den USA, die wir getroffen haben, brachte das ziemlich beeindruckend in konkrete Worte: „Ohne das Leiden Jesu für uns wäre uns heute jede Freude genommen, auch die der Weltjugendtage. Es lohnt sich daher, seinen Leidensweg ausführlich zu würdigen.“
So viel Ernsthaftigkeit bei gleichzeitiger positiver und optimistischer Grundausrichtung trifft man nicht oft an. Jesus ist für die Jugendlichen hier keine süßliche Figur oder der Kumpel für kritische Momente. Er, seine Worte und sein Leben werden ernst genommen. Das stimmt nachdenklich. Werbung
Zwei Jugendliche hier aus Sydney, Anna Derrig (20) und Trent Belasco (35), trugen Texte aus der Heiligen Schrift sowie weitergehende Gedanken vor.
Ich hatte angesichts der angekündigten Inszenierung anfangs eher Bedenken, da es wahrscheinlich auch nicht meiner deutschen Art entspricht, bedeutende Szenen der Weltgeschichte, noch dazu von religiöser Bedeutung nachzuspielen als gehe es um Theater. Das auch noch mit Besinnlichkeit zusammenzubringen, schien mir unmöglich. Wenn ich ehrlich bin, hat mich der Kreuzweg hier in Sydney eines Besseren belehrt. Ich bin nach wie vor kein Fan von Show bei der Behandlung existentieller Inhalte, aber es ist möglich, ohne dass dabei die Botschaft verloren geht. Das haben mir die anderen Jugendlichen hier mit ihrer Anteilnahme vor Augen geführt. Es gibt eben unterschiedliche Formen der Frömmigkeit und Spiritualität unter dem Dach einer Glaubensgemeinschaft.
In der Vorbereitung des Kölner Weltjugendtags hatte ich oft mit dem Weltjugendtagskreuz zu tun. Es war fast wie ein persönliches Wiedersehen, als ich sah, dass es auch Bestandteil des Kreuzwegs in Sydney war. Das Kreuz, vor drei Jahren noch vor dem Kölner Dom aufgestellt, durch Bonner Schulen getragen und in einer Fahrradtour nach Altenberg gebracht, wurde von Station zu Station getragen um für die Betrachtung der letzten fünf Stationen auf dem Feld Barangoroo von den jugendlichen Teilnehmern des Weltjugendtags selbst in Empfang genommen zu werden.
Die realitätsnahe Inszenierung des Kreuzwegs hat die meisten von uns nachdenklich, traurig und betroffen gemacht. Als ich das Jennifer mitteilte, war ihre Antwort so einfach wie klar: „So war es. Dann sollten wir damit auch umgehen können.“
Sie hat Recht. Jedenfalls sind wir jetzt vorbereitet für die Wallfahrt heute zur abschließenden Vigil und zur Messfeier morgen. Wir sind seit heute Vormittag unterwegs, gemeinsam mit Zehntausenden weiteren Jugendlichen. Unser Pilgerzug durchzieht die gesamte Stadt. Der Kreuzweg hat in uns eine Spur hinterlassen. Und wir selbst drücken dieser Stadt jetzt den Stempel dieser frohmachenden Botschaft auf. Die Sydneysiders, wie die Einwohner hier genannt werden, freuen sich. Viele säumen die Straßen und schauen zu, wie wir in einer scheinbar nicht enden wollenden Karawane vorüberziehen: Richtung Randwick Racecourse, Richtung Vigil und Abschlussmesse, Richtung Höhepunkt des Weltjugendtags.
Generation Benedikt: www.generation-benedikt.de
Super Thursday
KATH.NET-Generation-Benedikt-Blog aus Sydney - Donnerstag:
Die Willkommensfeier mit dem Heiligen Vater war für viele von uns die eigentliche Eröffnungsfeier des XXIII. Weltjugendtags Sydney (kath.net)
Weltjugendtage ohne Papst sind keine Weltjugendtage. So war denn auch die Willkommensfeier mit dem Heiligen Vater heute für viele von uns die eigentliche Eröffnungsfeier des XXIII. Weltjugendtags hier in Sydney. Der Donnerstag war von den Zeitungen in Australien als „Super Thursday“ angekündigt worden. Und die Leser von „The Daily Telegraph“, „The Sydney Morning Herald“ und „The Australian“ wurden nicht enttäuscht. Selbst überkritische Beobachter gestehen der katholischen Kirche eine Stärke zu: die Schönheit des Ritus, die Würde der Messfeier und die Fähigkeit zur im Medienzeitalter nicht unwichtigen Inszenierung der eigenen Religion.
Weltjugendtage sind wie Festivals dieser Kultur des gesunden Feierns. In kongenialer Zusammenarbeit mit dem Heiligen Petrus als Wetterzuständigem des Himmels hatten die Organisatoren des Weltjugendtags gleich zu Beginn die große Pauke gewählt: Papst Benedikt XVI. fuhr auf einem Kreuzschiff in den Hafen von Sydney ein, passierte das weltberühmte Opernhaus am Circular Quay, die monumentale Harbour Bridge als Eingangstour nach Australien, bevor er anschließend nahe dem wunderschönen Darling Harbour von Hunterttausenden Jugendlichen begeistert empfangen wurde. Noch auf dem Schiff erhielten viele Jugendliche die Gelegenheit, mit dem Heiliben Vater zu sprechen. All das wurde auf dem Gelände der Willkommensfeier live auf Leinwand übertragen. Als der Papst endlich am Pier anlegte und im Papamobil durch die Menge der seit Stunden wartenden Jugendlichen fuhr, war klar: Jetzt ist zusammen, was zusammengehört. Der deutsche Papst zeigte sich sichtlich bewegt. Er grüßte die Gäste aus aller Welt in der jeweiligen Sprache und erhielte lang anhaltende Sprechchöre als Antwort. Kardinal Pell drückte kurz und bündig aus, was viele von uns auf dem Feld dachten: „Holy Father, you are among friends.“
Der Papst begann dementsprechend seine Predigt mit der Ansprache „My dear young friends“ und wählte auch sonst einen Ton und eine Sprache, welche die meisten von uns trotz aller Müdigkeit ansprach. Jedenfalls war die Konzentration, den Papst über die Lautsprecher akustisch und im Hirn faktisch zu verstehen, geradezu mit Händen zu greifen. Ruhe und Stille herrschten auf dem ehemals umtriebigen Industriegelände von Barangoroo. Es sprach der Nachfolger Petri, der Heilige Vater. Und er hatte etwas zu sagen. Zielstrebig machte er sich daran, das inhaltliche Programm unserer Pilgerreise zum Weltjugendtag zu skizzieren. Er sehe vor sich „ein lebendiges Bild der Weltkirche“. Die Lebendigkeit scheint für den Heiligen Vater vor allem im Willen zur Mission, zum Apostolat, zur Weitergabe des Glaubens zu bestehen. Er knüpfte an die Geschichte der Mission Australiens an um uns mit auf den Weg zu geben, dass es auch heute junger und engagierter Misssionare, authentischer Träger des Wortes Gottes, bedarf
Der Papst erinnerte an die Tatkraft der vielen Lehrer, welche die Jugendlichen bereits auf ihrem jeweiligen Lebensweg begleitet hätten, um sich anschließend explizit selbst einzureihen: „Jetzt bin ich an der Reihe.“ Oberlehrerhaft wirkte er dabei nicht. So schwärmte er von den Eindrücken seiner Anreise ohne zu verbergen, dass der Gedanke an eine solch lange Reise ihm als etwas bevorstand, „das einem den Mut nehmen kann.“ Er verknüpfte seine Beobachtungen der Reise mit einem Bekenntnis zur Schönheit des Kontinents und Umwelt Australiens nicht ohne Hintergrund. Klar benannte er die Hintergründe der fortschreitenden Umweltzerstörung: Geiz, Gier und maßloser Konsum.
Er warnte vor den Gefahren des Relativismus, der im Grunde eine Trennung der Freiheit und Toleranz von der Wahrheit sei. Sehr lebensnahe kritisierte der Dogmatik-Professor, dass Relativismus im Alltag darin bestehe, dass „Erfahrung zum alleinigen Kriterium erhoben“ werde. Wahrhaft junge Menschen dagegen müssten Zeugen der Wahrheit sein, auch wenn gelte: „Die Aufgabe des Zeugen ist nicht leicht.“
Das wussten auch viele von uns auf dem Feld. Auch wenn die ausgelassene Stimmung etwa bei den Konzerten im Anschluss an die Hauptveranstaltungen des Weltjugendtags Begeisterung hervorruft: Für viele von uns war gerade der Wunsch, Kraft und Mut für das ganz persönliche Glaubensleben zu tanken, ein Motiv die lange und kostenspielige Reise zum Weltjugendtag anzutreten.
Es mag die wenigsten verwundern, aber wir sind froh, schon am Donnerstag der Weltjugendtagswoche sagen zu können: Es hat sich gelohnt.
Generation Benedikt: www.generation-benedikt.de
Eine klare Ansage
Papst Benedikt XVI. gibt zu Beginn des Weltjugendtags den Hunderttausenden jungen Pilgern ein anspruchsvolles Programm mit auf den Weg - Von KATH.NET-Korrespondent Nathanael Liminski aus Sydney / Australien
Sydney (www.kath.net)
Papst Benedikt XVI. hat im Rahmen der offiziellen Willkommensfeier am Donnerstag seinen Besuch auf dem XXIII. Weltjugendtag in Sydney begonnen. Der Heilige Vater fuhr ähnlich der Willkommensfeier beim letzten großen Weltjugendtag in Köln im Jahr 2005 auf einem Schiff in Barangoroo Darling Harbour ein – und wurde von Hunderttausenden jungen Menschen begeistert empfangen.
Nach einer kurzen Papamobil-Fahrt Benedikts durch die Mengen der seit Stunden wartenden Jugendlichen begrüßte George Kardinal Pell den Heiligen Vater im Namen der Katholiken Australiens. Er erinnerte an die Geschichte der katholischen Kirche im „Land unter dem südlichen Kreuz“, wie der Kontinent früher genannt wurde. Pell rief Worte des ersten australischen Erzbischofs Moran in Erinnerung, der im September 1884 von Tausenden Gläubigen im Hafen empfangen worden war.
Damals meinte Erzbischof Patrick Francis Moran: „In Australien habe ich dieselbe Frömmigkeit, dieselbe Liebe zur Religion, dieselbe Großzügigkeit und dieselbe Opferbereitschaft gefunden wie in Europa.“ Nach dem heutigen Empfang für den Heiligen Vater wird sich der alte Kontinent fragen müssen, ob er in weiten Teilen mit der Freude mithalten kann, die für die Pilger in Sydney scheinbar eine Selbstverständlichkeit aus dem Glauben heraus zu sein scheint.
Ebenso verhält es sich mit der Treue zum Heiligen Vater. Pell ließ es an Deutlichkeit nicht fehlen: In ihrer kurzen Geschichte seien die Australier immer starke Unterstützer der Päpste gewesen und daran wolle man festhalten. Ein derartiges Bekenntnis zum Heiligen Vater ist in Europa nicht allenthalben selbstverständlich. Das Bekenntnis Pells galt nicht nur dem seit Amtsantritt scheinbar ungebrochen beliebten Benedikt XVI., er weitete es explizit auf den Vorgänger „Johannes Paul den Großen“ aus. An dessen zwei Besuche in Australien erinnere man sich gerne und gedenke seiner mit tiefer Bewunderung. Der 67-jährige Erzbischof von Sydney schloss seine Ausführungen mit den bewegenden Worten: „Heiliger Vater, Sie sind hier unter Freunden.“
Auch der Vorsitzende der australischen Bischofskonferenz, Erzbischof Philip Wilson, brachte seine Freude zum Ausdruck, dass nach dem Besuch von Paul VI. 1970 und den zwei Besuchen Johannes Pauls II. nun der vierte Besuch des Stellvertreters Christi im jungen Australien begonnen habe. In der Präsenz des Heiligen Vaters würden die australischen Katholiken ihren Glauben sowie ihre Hinwendung zu Christus und seiner Kirche erneuern.
Papst Benedikt XVI. nutzte im Rahmen des Wortgottesdienstes seine Predigt, um sich für das herzliche Willkommen zu bedanken. Anschließend ging er zielstrebig dazu über, das Programm für die Pilgerreise der jungen Besucher des Weltjugendtags zu skizzieren. Er sehe vor sich „ein lebendiges Bild der Weltkirche“. Die Lebendigkeit scheint für den Heiligen Vater vor allem im Willen zur Mission, zum Apostolat, zur Weitergabe des Glaubens zu bestehen. Er knüpfte an die Geschichte der Mission Australiens an um den jungen Zuhörern mit auf den Weg zu geben, dass es auch heute junger und engagierter Misssionare, authentischer Träger des Wortes Gottes, bedarf.
Der Papst erinnerte an die Tatkraft der vielen Lehrer, welche die Jugendlichen bereits auf ihrem jeweiligen Lebensweg begleitet hätten, um sich anschließend explizit selbst einzureihen: „Jetzt bin ich an der Reihe.“ Insgesamt fiel auf, dass der vom SPIEGEL als „Professor Papst“ titulierte Kirchenoberhaupt eine einfache, mitunter gar kindliche Sprache anschlug. Dabei integrierte er auch persönliche Gefühle und Gedanken. So schwärmte er von den Eindrücken seiner Anreise ohne zu verbergen, dass der Gedanke an eine solch lange Reise ihm als etwas bevorstand, „das einem den Mut nehmen kann.“ Er verknüpfte seine Beobachtungen der Reise mit einem Bekenntnis zur Schönheit des Kontinents und Umwelt Australiens, das vor allem bei den australischen Zuhörern auf begeisterten Empfang stieß.
An seine früheren Worte an die Jugend anknüpfend warnte der Pontifex vor den Gefahren des Relativismus, der im Grunde eine Trennung der Freiheit und Toleranz von der Wahrheit sei. Sehr lebensnahe kritisierte der Dogmatiker, dass Relativismus im Alltag darin bestehe, dass „Erfahrung zum alleinigen Kriterium erhoben“ werde.
Wahrhaft junge Menschen dagegen müssten Zeugen der Wahrheit sein, auch wenn gelte: „Die Aufgabe des Zeugen ist nicht leicht.“
In seinen abschließenden Worten begrüßte der deutsche Papst explizit auch die deutschen Pilger und freute sich erkennbar an den deutlich vernehmbaren Jubelrufen der 6.000 aus seiner Heimat angereisten Jugendlichen.
Der Papst scheint näher an der konkreten Lebenssituation zu sein als mancher Kommentar denken mag.
Gerade mit Blick auf die deutschen Jugendlichen hat das Geltung. So sagte er ihnen voraus, dass sie als mutige Zeugen ihres Glaubens auf Widerspruch stoßen würden und das Kreuz der Ablehnung erfahren würden. Ermutigung sei im sicheren Beistand Gottes zu sehen.
Diese Worte des Papsts gleich zu Beginn des XXIII. Weltjugendtags dokumentieren, dass er die begeisterten Pilger nicht zu naivem Idealismus oder gutmenschlicher Träumerei einladen, sondern auf das mitunter mühsame Mittun am Aufbau einer Zivilisation der Liebe vorbereiten will. Eine klare Ansage.
Von Nathanael Liminski aus Sydney / Australien
Nur noch der Papst fehlt
KATH.NET-Generation-Benedikt-Blog aus Sydney - Tag 5:
Sydney steht Kopf. Flaggenmeere, Menschenschwärme und Rucksackmassen so weit das Auge reicht.
Sydney (kath.net)
Wir sind da. Der Weltjugendtag Sydney 2008 hat begonnen. Die meisten von uns können es noch nicht ganz begreifen, da doch gerade erst der Weltjugendtag in Köln zu Ende ging. So empfinden es zumindest viele.
Nach einem bewegenden Gottesdienst in unserer Gastgemeinde und einem ausführlichen Abschiedsgrillen ging es über Nacht in Bussen von Melbourne die knapp 900 Kilometer lange Strecke nach Sydney. Unseren Gastgeber in Melbourne hatten wir noch als „Geschenk“ zum Abschied als „deutschesten Australier“ bezeichnet, war doch die Organisation ähnlich perfekt, wie es dem Klischee der Deutschen im Ausland entspricht. Doch die zentrale Anreise in Bussen übertraf all das noch einmal. Die Diözese Melbourne hatte sämtliche verfügbaren Busse im Bundesstaat angemietet und eine zentrale Anreise all der WJT-Teilnehmer organisiert, die zuvor Gäste bei den Tagen in den Diözesen in Melbourne waren. So erhielt jeder Busleiter genaue Informationen über die zentralen Anlaufstellen zum Essenfassen auf dem Weg in die Stadt des 23. Weltjugendtags. Mitten in der Nacht bei klirrender Kälte so viele Freiwillige mitten auf dem Land zu erleben, das ließ in einem zwar nicht die ersehnte Wärme, aber doch Staunen und Respekt aufsteigen. Australien freut sich scheinbar wirklich über jeden einzelnen Besucher.
In Sydney selbst sind wir verhältnismäßig zentrumsnahe untergebracht. Im Patrician Brothers College behandelt man uns wie die drei heiligen Könige auf der Durchreise zur Krippe nach Betlehem. Der Direktor selbst begrüßt morgens über das hausinterne Mikrofon-System alle Pilger, bevor er den mittlerweile überall zu hörenden Motto-Song „Receive the Power“ einspielen lässt. Energie braucht es morgens mittlerweile tatsächlich in ausreichender Menge, um die müden Beine aus den Schlafsäcken zu holen. Doch die Stimmung in der Truppe ist gut, denn Petrus spielt pünktlich auf der Reise seines Nachfolgers mit: Die Sonne scheint, es herrschen angenehme Temperaturen in den Zwanzigern.
Nachdem das logistische Meisterwerk der gleichzeitigen Anreise und Einquartierung von 600 Personen mit Bravour geleistet worden ist, bot sich die Zielstadt Sydney bereits am ersten Tag von seinen besten Seiten. Die Stadt, wunderschön am Meer gelegen, bietet nicht nur hervorragende Nahverkehrsmittel, sondern geradezu endlos viele Ziele, die man mit ihnen ansteuern könnte. So waren die meisten Pilger denn auch trotz schlafloser Nacht im Bus und entgegen hehrer Vorsätze bis spät in den Abend unterwegs. Sei es Harbour Bridge, die berühmte Oper oder einfach nur der Blick aufs Meer – Sydney 2008 bietet Erholung für Seele und Körper.
Die Stadt selbst steht Kopf. Flaggenmeere, Menschenschwärme und Rucksackmassen so weit das Auge reicht. Es herrscht Weltjugendtagsflair: frohe Gesichter, freudige Gesänge, beste Stimmung. Auch dabei: Müde Journalisten, erschöpfte Freiwillige und endlos gestresste Organisationsteams – es ist alles da, nur noch der Papst fehlt.
Generation Benedikt: www.generation-benedikt.de
Vor allem aber sind viele von uns in all dem Trube
KATH.NET-Generation-Benedikt-Blog aus Australien - Tag 5: Und das sind erst die Tage der Begegnung
Sydney (kath.net/nl)
“Und das sind erst die Tage der Begegnung...” Mit diesem oft gehörten Satz könnte man die vergangene Woche hier in Melbourne bündig und authentisch zusammenfassen. Die Begegnung war dabei vielseitig. Heute morgen stand mit dem gemeinsamen Rosenkranzgebet unserer Gruppe und der Gemeinde konkrete Frömmigkeit auf dem Programm, wie sie einem nicht mehr in jeder Gemeinde zuhause begegnet. Mit der größten Selbstverständlichkeit trug ein junger Priesteramtskandidat einige betrachtende Gedanken zu jedem Geheimnis des Rosenkranzes bei. Nicht wenige Pilger staunten dabei über die Festigkeit, mit der ein junger Mann seine Verehrung fuer die Gottesmutter Maria in Worte brachte.
Nach Frühstück und Gespräch mit den Familien in ihren Häusern war Zeit und Luft, um vor der nahenden Abreise nach Sydney noch einmal die Stadt zu erkunden. Strand, Promenade und Pier von Sankt Kilda durften als “Touri-Muss” nicht ausgelassen werden, so weltlich muss man sein dürfen. Ein völlig anderes Melbourne tut sich dabei vom Pier aus gesehen mit seiner Skyline vor uns auf.
Beinahe stündlich erlebten wir in diesen Tagen Wechsel zwischen Natur und Stadt, Geselligkeit und Stille, Aufregung und Routine. Scheinbar alles in einem, das wurde greifbar bei der “Commissioning Mass” im Telestra Dome. Gemeinsam mit den Teilnehmern der Tage in den Diözesen wollte Erzbischof Hart vor der Weiterreise nach Sydney eine Heilige Messe feiern – und war selbst sichtlich davon erfasst, wie sehr der Weltjugendtag noch vor seinem eigentlichen Start “die Stadt und das Land eingenommen hat”. Er bedankte sich für die “mitgebrachte Freude, Hoffnung und Liebe”. Ihm schien am Herzen zu liegen, daß diese Geschenke von bleibendem Charakter sein sollten, sich dieser Stempel von der Stadt nie mehr lösen möge. Die Arena dankte es ihm mit lautem Jubel, kraftvollem Gesang und einer für Weltjugendtagsverhaeltnisse normalen, aber immer wieder doch faszinierenden Anteilnahme an der Feier der Heiligen Messe. Der aufwendig “inszenierte” Gottesdienst war ein Vorgeschmack auf das, was uns in Sydney erwarten wird. Eine echte “Feier” der Eucharistie, mit Gottes Gegenwart nicht nur geistig, sondern geradezu spürbar erfahrbar.
Der Heilige Vater blieb auch nicht außen vor: Ihm wurde zum Namenstag gratuliert, mit Benedetto-Sprechchören und Gesängen.
Mit Gitarre und Fahnen “bewaffnet” überfluteten die Pilger anschließend die Innenstadt. Das verfehlte seinen Eindruck nicht, selbst die zuvor betont kritischen lokalen Medien berichteten von Kritikern und Störern des Glaubensfests nur, um zu dokumentieren, dass sie auf verlorenem Posten und “absolutely outnumbered” waren.
Bei allem Weltjugendtag und der unbestreitbaren Schönheit vieler Kirchen hier – wir können nicht nach Hause kommen, ohne Känguruhs gesehen zu haben. Das wussten unsere Gastgeber auch und schickten uns daher heute gemeinsam mit dem Förster auf die Suche. Wer suchet, der findet: Die Begegnung mit den hüpfenden Tierchen aus einer scheinbar anderen Zeit geriet zum reinsten Fotoshooting. Die Hüpfer schienen es zu genießen und posierten so, als ob sie Teil des offiziellen Begrüssungskomitees für Seine Heiligkeit sein wollten.
Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper: Bevor es morgen weitergeht nach Sydney, nutzten wir die Gelegenheit, gemeinsam ein Sportevent der besonderen Art zu besuchen. Vor 55.000 Zuschauern spielten zwei lokale Teams der “Footy-League”, einer Art Mischung aus Rugby und American Football. Regeln gibt es kaum. Von den regelmäßigen leicht verwirrenden Fangesängen für die deutsche Nationalmannschaft ließen sich die Spieler ebenso wie die meisten anderen Fans nicht ablenken. Diese Überreste von Europameisterschaftsbegeisterung sind in den Augen der uns begleitenden australischen Jugendlichen noch einmal als deutscher “Insider” durchgegangen.
Ihnen schien das Kennenlernen und die intensive Begegnung der vergangenen Tage auch zugesagt zu haben: Erste Verabredungen für gemeinsame Treffen in Sydney sind bereits getroffen, außerdem hat sich das erste deutsch-australische Pärchen gefunden, auch das keine unangenehme Nebenwirkung von Weltjugendtagen.
Melbourne ist eine beeindruckende Stadt. Wir haben viel über die Menschen hier, ihren Glauben, die Kirche und die Familien kennenlernt. “Begegnung” wäre da fast zu wenig gesagt. Vor allem aber sind viele von uns in all dem Trubel Gott begegnet – und sprechen davon. Oder sie sind sich selbst begegnet – und man merkt es ihnen an. Dankbarkeit bleibt. Und das waren erst die Tage der Begegnung.
Generation Benedikt: www.generation-benedikt.de
Wenn das berüchtigte 'Weltjugendtagsfeeling' aufko
Sydney (www.kath.net)
“Nur zur Begräbnismesse für Papst Johannes Paul II. waren zuletzt so viele Menschen in unserer Kathedrale”. Das sagt Nicholas Pearce, Priesterkandidat der Erzdiozese Melbourne. Sichtlich berührt zeigte sich der junge Mann, der als Koordinator unser gastgebenden Gemeinde in den letzten Tagen so schien, als könne ihn nicht wirklich etwas aus der Bahn werfen. Der Weltjugendtag ist in Melbourne angekommen. Heute hieß uns der hiesige Erzbischof Denis Hart in der Eröffnungszeremonie offiziell willkommen.
Dabei sind wir doch längst angekommen. In unserer Gemeinde gestalteten wir heute den Gottesdienst. Die Gastgeber schienen mit dem deutschen Liedgut viel anfangen zu können. Zur Überraschung der deutschen “Animationsgruppe” erprobten manche Gastmütter und –väter ihre Schul-Deutschkenntnisse am deutschen WJT-Klassiker “Ein Licht in dir geborgen”. Anschließend ging es nach dem mittlerweile routinemäßigen Kaffee und Tee mit der Gemeinde in den verschiedenen Gruppenaktivitäten darum, das Leben in der Pfarrei St. Mary’s ausführlich kennenzulernen.
Nachdem jeder seine Gruppe gefunden hatte – was angesichts verschiedenster Zuordnungen und Gruppenzuteilungen in verschiedenen Phasen der Reise gar nicht so einfach ist -, wartete ein abwechslungsreiches Programm auf uns: Die örtliche St. Vincent-Community lud zum Gespräch ueber soziales Engagement, ein Priesterseminarist gab Zeugnis von seiner Berufung, verschiedene Familien luden zu sich nach Hause ein, der Bürgermeister zur Begegnung ins Haus der Nachbarschaft. Werbung
Die “Mommys” versorgten die scheinbar immer hungrig und müde, also in jedem Fall “bemitleidenswert” aussehenden Pilger mit Lunchpaketen. So gestärkt ging es in die Stadt zur Eröffnungszeremonie in der Kathedrale St. Patrick’s.
Bestand der Austausch bisher vor allem in der Begegnung mit “Einheimischen”, wurde es spätestens jetzt international. Spanier, Franzosen, Italiener, Koreaner, Polen, Litauer – einige nationale Delegationen scheinen ihren Weg nach Sydney über Melbourne zu nehmen. In der vollbesetzten Kathedrale kam auch für den Letzten spürbar das berüchtigte “Weltjugendtagsfeeling” auf. Der Bischof forderte uns in seiner Predigt auf, den Weg nach Sydney als persönliche Pilgerreise zur Begegnung mit Gott selbst zu verstehen, die mit dem Abschlussgottesdienst am 20. Juli ganz sicher nicht ihr Ende finden werde: “It is an ongoing process.”
Bei der anschliessenden eucharistischen Anbetung fühlte sich mancher an den Vigilabend auf dem Marienfeld erinnert: Tausende Jugendliche verweilen in völliger Stille vor dem, der sie hier zusammengebracht hat: Gott, Jesus Christus.
Wie tief diese Begegnung gehen kann, bekam zur Erheiterung aller Umstehenden ein Journalist zu spüren, der im Interview mit einem jungen Mann vor der Kathedrale die Litanei der üblichen Kritikpunkte durchgehen wollte. Der junge Pilger aus Deutschland entgegnete kurz und schlicht: “Waren Sie eben drinnen? Ja? Warum fragen Sie all das dann noch?”
Sicher, es gibt viele Fragen. Sie müssen gestellt und durchdacht werden. Aber es gibt eben auch Antworten. Und die müssen auch mal gesagt werden. Hier in Melbourne gibt es viele Antwortgeber. Und sie wirken überzeugend. Selbst auf solche, die sich selbst bisher fuer überzeugt und überzeugend hielten.
Generation Benedikt: www.generation-benedikt.de
2. Tag: 6 more days to go!
“Ich wuerde sagen, jetzt sind wir wirklich angekommen.” So das Fazit einer Teilnehmerin nach der ersten Nacht bei ihrer Gastfamilie. Der Redlichkeit halber ist zu sagen: Sie gehoert zur Fraktion der “Luxuspilger”, also jener Glueckspilze, die vor lauter Umsorgung durch die Gasteltern zu vergessen drohen, dass sie auf einer Wallfahrt sind. So sehen das zumindest die Anderen, also die Vertreter der Abteilung “Schlafsackjaeger”, untergebracht in Schulen und Turnhallen. So oder so: Der Weltjugendtag findet immer noch ueberwiegend tagsueber statt.
Nach der Feier der Heiligen Messe gemeinsam mit unserer gastgebenden Gemeinde wurden wir zu “Coffee and Tea” eingeladen. Ohne grosses Zoegern und zur Verwunderung der Leiter ohne paedagogisch wertvolle Kennenlernspielchen gingen Pilger und Gastgeber aufeinander zu. Und waren fast nicht mehr auseinander zu kriegen. Dazu war dann schon ein wenig Action noetig: Gemeinsam mit dem Pfarrer pflanzten die deutschen Gaeste zahlreiche Baeume, die nach dem Willen der Gemeinde dauerhaftes Zeichen unseres Besuchs bleiben sollen. Manche uerbwiegend weibliche Teilnehmer verdrueckten schon jetzt das eine oder andere Traenchen.
Anschliessend ging es in die Stadt, um sich einen Ueberblick zu verschaffen. Was eignet sich da besser als das hoechste Gebaeude der Stadt und des ganzen Landes? Tja, diese Frage hatten sich andere Gaeste wohl auch gestellt… Die lange Wartezeit war fuer manchen eine willkommene Pause, andere nutzten sie zur Kontaktaufnahme mit Pilgern aus Spanien, Italien und Litauen. Ausserdem begegneten wir “Kollegen” aus anderen Bistuemern in Deutschland, erkennbar an den Hueten, die alle deutschen Pilger mit auf den Weg gegeben bekommen haben.
Der Weltjugendtag hat schon jetzt einen ersten Stempel hinterlassen: So berichteten heute nationale Medien darueber, dass Australien noch nie so viele internationale Gaeste erleben wuerde wie in diesen Tagen. Selbst Olympia 2000 hat also nicht geschafft, was uns unter unseren Schlapphueten versteckt gelingt: Die Einnahme der grossen Insel am Suedzipfel der Erde.
Das Ende des Kontinents konnten wir zwar nicht sehen, aber der Ausblick vom “Skydeck Eureka” hat es in sich, ebenso diese Stadt. Australien in Zeiten des Weltjugendtags ist einen Besuch wert, das laesst sich bereits nach den ersten zwei Tagen sagen. Fuer Kurzentschlossene gilt: Noch ist es nicht zu spaet! Oder wie die Australier hier sagen: 6 more days to go!
von Nathanael Liminski von der "Generation Benedikt"
www.generation-benedikt.de
Anreise und vor allem: Willkommen
„Australien!? Das ist ja am Ende der Welt!“ Das hatte man sich in Gesprächen mit Freunden nicht selten anhören müssen, wenn es auf die Planungen für den Sommerurlaub kam. Wie recht sie hatten… Australien liegt nämlich tatsächlich am Ende der Welt, nämlich knapp eine Tagesreise im Flugzeug entfernt von „good old Germany“. Aber die Reise lohnt sich, erst recht, wenn es zum Weltjugendtag geht. Nach Zwischenstopp in Singapur erreichten wir heute in der Frühe Melbourne. Die zuvor angereisten deutschen Gäste bereiteten einen warmen Empfang, der aber angesichts des Willkommens durch die Australier selbst nur als „Vorglühen“ bezeichnet werden kann. Wer Hunderte müde Deutsche in dieser Ruhe in Empfang nehmen, ihnen ein Dach über dem Kopf und so schnell etwas für zwischen die Rippen in dieser Ruhe geben kann, der muss den „Australian way of life“ intus haben. Die meisten Jugendlichen aus unserer Gruppe wurden von Familien herzlich in Empfang genommen. Es gab mehr gastfreundliche Familien als obdachlose Gäste, ein Zeichen dafür, wie sehr sich nicht nur die Kirche, sondern die Diözesen, Gemeinden und Familien hier auf die Tage der Begegnung gefreut haben. Dieser Eindruck wird auch durch die gute Organisation bestätigt. Am Flughafen erwartete uns bereits ein Bus extra für Gäste des Weltjugendtags. Die Stadt – immerhin eine 3,4 Millionen-Metropole – ist übersäht von Hinweisschildern und Plakaten. Ein eigenes Pilgerzentrum, in dem das für Weltjugendtage eben übliche Chaos (ohne dieses wären sie keine Weltjugendtage) in Bahnen gelenkt wird: Wenn die Organisation des Vorprogramms auf diejenige in Sydney selbst schließen lässt, dürfen wir uns auf beeindruckende Tage freuen. Scheinbar alle hier wissen von den Gästen aus aller Welt. Bei den Begegnungen bleibt es oft nicht beim bloßen Smalltalk über das zugegebenermaßen mäßige Wetter oder den seltsam spiegelbildlich organisierten Verkehr. Oft fragen Passanten und Busfahrer nach der Motivation, diese lange Reise auf sich zu nehmen. Und sie erhalten unsere bereits nach einem Tag überzeugte, wenn auch müde klingende Antwort: „Wir kommen hier hin, um mit der Jugend der Welt unseren Glauben zu feiern – und fühlen uns bei Euch sehr willkommen.“ aus www.kath.net


















